Freitag 24. Juli, München, bewölkt

Gestern im Wesslinger See schwimmen gewesen, zwei Tage vorher im Staffelsee, ich muss es leider anerkennen nach zwanzig Jahren Nichtmehrwohnhaftigkeit in Bayern, dass Bayern einfach sehr schön ist, und wenn jetzt wieder jemand sagt, aber die Brandenburger Seen, dann sage ich, jaja, jaja, jaja. Aber. Jaja. Vor ein paar Wochen habe ich für einen Tagungsband einen Text übersetzt zum Thema jüdische Erinnerungskultur, in einem anderen Text für denselben Band, den ich zur Einarbeitung in die Terminologie gelesen habe, ging es um das Erinnern in christlichen versus in jüdischen Kontexten, vielleicht war das das erste Mal, dass ich als These aufgeschrieben gesehen habe, was mich lange schon beschäftigt, nämlich dass das Erinnern in der christlichen Kultur eigentlich ein Vergessen ist, ein Einschließen, ein Nichtakzeptierenkönnen der Lebendigkeit von Erinnerung, und dass sie nie bleibt, was sie ist,  ein Aufhebenwollen im Begriff, im Griff dessen, was man für die Wahrheit der Gegenwart hält, und damit eigentlich ein Vom-Leib-Halten, während es im Judentum immer um das lebendige Erinnern geht, um das Sich-selbst-nie-Gleichbleiben der Erinnerung, um das Einlassen des Eigenlebens der Erinnerung in die Gegenwart. Vor ein paar Jahren bot ich einmal einem Radioredakteur einen Essay an, eine seiner Begründungen, warum er ihn nicht senden wollte, war, dass ich mich darin mit dem Frauenhasser Euripides beschäftigte, denn „wir wollen ihn doch vergessen“, er verstand nicht, warum man das aufwärmen sollte, und ich verstand nicht, wie man ernsthaft denken kann, die Dinge würden sich erledigen, wenn man sich nur nicht mehr erinnert. Vorgestern wurde bekannt, dass Esther Kinsky den 2020 erstmals ausgeschriebenen Sebald-Preis erhält, für einen Text, der sich mit Gedächtnis und Erinnerung beschäftigt, der Bachmann-Preis ging in diesem Jahr an Helga Schubert, für einen Text, der sich mit Gedächtnis und Erinnerung beschäftigt, der Büchner-Preis ging an Elke Erb, deren Arbeit sich ebenfalls mit Gedächtnis und Erinnerung beschäftigt, und ich frage mich, ist es Zufall, dass es im christlich geprägten/überformten Kulturgewebe vor allem Frauen zu sein scheinen, die sich mit der Frage des Schreibens von Erinnerung beschäftigen, mit der Frage der Formmöglichkeit von Literatur, die sich mit Erinnerung beschäftigt, und hat das alles etwas damit zu tun, dass „Weiblichkeit“ im klassisch-christlich-philosophischen Denken mit denselben Assoziationen belegt wurde, mit denen auch „Jüdischsein“ belegt wurde, es ist sehr interessant, dass sich hierzulande plötzlich ein Raum aufzutun scheint für dieses „Schreiben des Anderen“ oder „andere Schreiben“, sehr interessant ist das, lernt der deutschsprachige Diskurs am Ende noch das Lesen, das wäre ja was, das wäre wirklich was, und das hat auch etwas mit Wasser zu tun, denn alles hat etwas mit Wasser zu tun, mit dem Flüssigen, Überflüssigen, usw. (“Badengehen”, “ins Wasser fallen”, “in etwas schwimmen”: sagt man so, wenn man meint, etwas finde nicht statt oder sei beendet oder man sei mit etwas reingefallen oder man sei orientierungslos, aber hat man sich je um ein Denken des Wassers bemüht, um das Denken des Badengehens, Ins-Wasser-Fallens, Schwimmens?)

streeruwitz, durst & verdunsten

Ich habe zwei Romane von Streeruwitz gelesen, den Namen habe ich vor 2 Jahren das erste Mal gehört, weil meine Cousine mir ein Buch von ihr in die Hand drückte, und wie vielsagend ist das denn bitte, wie kann es denn sein, dass ich den Namen Marlene Streeruwitz noch nie gehört hatte, aber ja, es kann leider gut sein, am Deutschen Literaturinstitut Leipzig tauchten damals (wie man inzwischen schon sagen muss, also zwischen 2012 und 2014) nur Namen auf wie Ferdinand Céline, Alfred Döblin oder oder, oder oder, oder oder bla, ich muss sie nicht erneut aufzählen, und als ich also anfing, Streeruwitz zu lesen, dachte ich erst, nee, nee, nicht ganz mein Geschmack, und dann habe ich weitergelesen und fand es so gut, dass ich gleich ein weiteres Buch gelesen habe, und das fand ich dann sogar noch besser, weil es bei aller österreichischen Bösartigkeit (nicht so scharf wie Jelineks) sehr sehr lustig ist, wenn es zum Beispiel heißt „ … ich wollte etwas zitieren, aber jetzt liegt das Buch nicht mehr hier, wo ist es denn, wo sind denn die Bücher, wenn man sie braucht, dann sind sie immer gerade nicht hier, aber es ist auch sehr heiß, vielleicht ist es baden gegangen, oder vielleicht bin ich baden gegangen, ich sagte ja schon: Mein Kopf sammelt das Wasser, wo er es findet, manchmal geht er baden in seinen eigenen Gewässern, und dann findet er die Bücher nicht mehr, und woher weiß man, ob die Bücher, die man gelesen hat, mal im eigenen Kopf gewesen sind, oder ob nicht vielmehr der eigene Kopf in den Büchern gewesen ist, Yoko Tawadas Großmutter hat vor dem fremden Wasser gewarnt, das Wasser in Europa sei so anders, und der Körper besteht ja zu 80 % aus Wasser, wird dann ihr Körper, fragt sich Yoko Tawada, wenn er deutsches Wasser trinkt, zu 80 % deutsch, und wird mein Körper, frage ich mich, wenn er Streeruwitz liest, zu 80 % Streeruwitz, und fängt Streeruwitz aber auch gleich wieder an, aus mir herauszusickern, sobald ich das Buch zugeschlagen habe, und fängt das Buch selbst gleich an zu verdunsten, wenn ich es nicht mehr finde, in der Hitze allemal, was soll ein Buch allein bei solcher Hitze, kann es sich selbst etwas zu trinken besorgen, ich glaube nicht, aber was, wenn die Bücher verdunsten verdursten was dann

kann weg:

Samstag, 11. Juli, zaghafter Sonnenschein aber meist bewölkt

Gestern habe ich mir hier noch notiert: „Bescheidenheit ist eine Zier“, und schon kann ich mich nicht mehr erinnern, warum

 

Sonntag, 12. Juli, warm, fast möchte man sagen: heiß, jedenfalls voller Sonnenschein bei wenig Bewölkung

Ich kann mich immer noch nicht erinnern, warum genau ich „Bescheidenheit ist eine Zier“ notiert hatte, aber es hatte etwas mit dem Wort „Dame“ zu tun, dass „Damen“ ja wohl bescheiden sein sollen und eben, ja, eine „Zier“, hübsch und still und stumm, bloß nicht auffallen, „Bescheidenheit ist eine Dame“, könnte man also auch sagen, ich sage, werft sie zum Fenster raus, die Zier und die Bescheidenheit und die Dame mit ihren vornehmen Fingerspitzen, ihren vornehmen Rüschenblüschen, die Dame, die sich in nichts einmischen soll und will und kann und darf, eine Zier ist darüber hinaus etwas, das nur etwas anderes schmückt, aber nicht an und für sich selbst durch die Welt läuft, das kann weg, wie alles weg kann, das… usw. In der ZEIT gab es vor ein paar Tagen einen Text mit dem Titel „Lob der alten Dame“, darin ging es um Elke Erb und Helga Schubert, nett gemeint war dieser Text, und ein bisschen nett war er auch, ganz so nett war er aber in Wirklichkeit letztlich leider nicht, denn zwei in höchst konzentrierter, höchst eigener Weise an der Form und der Erinnerung und der Form als Erinnerung und der Erinnerung als Form arbeitende Schriftstellerinnen werden hier reduziert auf ihr „alte-Dame-Sein“, als wäre es nicht ein Werk, für das sie ausgezeichnet wurden, für das sie geschätzt werden, „Bescheidenheit ist eine Zier“, Zier der alten Dame, für die auch noch der größte Literaturpreis, den man im deutschsprachigen Raum bekommen kann, nicht mehr bedeuten kann, als dass die „Sympathie für die nette Oma“ zum „Lob der alten Dame“ wird. So marginalisiert man ein Werk, so sagt man mehr oder weniger verblümt, was „Damen“ auch heute noch sollen: bescheiden sein, Zier sein, kein eigenes Werk haben können. Meine Herren, diese Form von Literaturkritik KANN WEG.

Aristoteles bekommt mein Kaffee nicht

Eine Regel, zumindest für Heute: Ich beginne mit anderen Sätzen, Sätzen Anderer, und weil er hier gerade herumliegt, schlage ich Aristoteles auf, Aus dem Gesagten müssen wir nun Schlussfolgerungen ziehen und die Hauptpunkte vereinigend das Ganze zu Ende führen, ich schlage Aristoteles zu und hebe den Zeigefinger und sage, du du du du!, es gibt Sätze, in denen bin ich mit keinem einzigen Wort einverstanden, und Aristoteles schlägt sich selbst ein in Butterbrotpapier und sagt, damit du mich beim nächsten Mal besser fressen kannst, und ich sage, aber meine Zähne waren immer schon groß und haben immer schon besonders dann gerne zugeschlagen, wenn das Ganze unverdaulich schien, und Aristoteles rollt sich im Butterbrotpapier auf dem Boden, hin und her und hin und her und zieht Schlussfolgerungen, vereinigt die Hauptpunkte und führt das Ganze zu Ende, ich sitze unbeteiligt auf dem Sofa, betrachte mir diese Anstrengung eine Zeitlang, stehe aber irgendwann auf und gehe in die Küche, da meinen Hunger nicht stillt, was sich da rollt, als ich zurückkomme, muss Aristoteles zur Arbeit gegangen sein, ich schaue nach im Flur, dort stehen keine Schuhe und hängt kein Mantel und liegt kein Butterbrotpapier, es ist keiner da, schlussfolgere ich, also kann auch ich mich an die Arbeit machen, und wenn die Hunde anschlagen, kommt ja eh jedes Ganze zu spät

5 minuten, ein wasser für jeden tag

5 Minuten, lang habe ich diese Übung nicht mehr gemacht, ich vergesse die Übungen wie die, die, ja was die, ich will einen guten Vergleich, aber man kann einen guten Vergleich nicht wollen, die Hölle ist nur ein Abzeichen, schreibt Mayröcker, aber ein Abzeichen wovon und wofür, es fällt schwer, wieder anzufangen, draußen weht es und windet, als hätten wir Herbst: In Wirklichkeit ist Hochsommer, Juli, aber was soll das bedeuten, „in Wirklichkeit“, nein, „in Wirklichkeit“ ist heute nicht Hochsommer, „in Wirklichkeit“ ist heute Herbst, bedeckt ist der Himmel, bedeckt ist es in meinem Kopf, ein morastiger Teich, dieser Kopf, der das Wasser sammelt, wo immer er es findet, langbeinige, stakende Vögel darin, auf der Suche nach Fischen oder Würmern, wer soll das schon von außen unterscheiden können, namenlos, wer soll schon von außen unterscheiden können, welcher Art die Nester von Abzeichen, Abzeigen oder Abzweigen, in denen Zerbeultes hängen bleibt, die Bedeckung im Kopf ist ja wie eine Bedeckung des Kopfes, es gibt keinen Kopf, der wetterlos ist, kein Kopf ist jemals wetterlos, das Wetter ist die Wirklichkeit des Kopfes, mein Kopf ist ein Herbst mit, ich weiß nicht, die 5 Minuten sind um und ich habe den Satz nicht beendet, mein Kopf ist die Wirklichkeit eines teichigen Herbstes ohne beendeten Satz, Heute, sich abzeichnend, nach welcher Vorlage

Nachbarn, Regenmacher

Neben Nachbarinnen, die sich über von meinen gewässerten Pflanzen kommende Wassertröpfchen auf ihren Balkonkastenpflanzen beschweren, gibt es auch Nachbarn, die abends vom Balkon im 4. Stock mit Hilfe eines Gartenschlauchs die große, alte Platane wässern, die vorm Haus steht und gerade begonnen hat, ihre grüne Blätterpracht zu entfalten: Ich saß auf dem Sofa, plötzlich klang es, als hätte es angefangen zu regnen, ich ging auf den Balkon und streckte die Hand aus, spürte aber merkwürdigerweise nichts. Da rief jemand von links: Regnet, wa? Da es dunkel war und ich kaum etwas sah, kapierte ich nicht gleich, dass mein Nachbar einen Witz gemacht hatte, sagte nur, so sieht’s wohl aus, und guckte etwas verwirrt in den Abendhimmel, der eigentlich gar nicht nach Regen aussah. Dann klärte er mich auf: Sie sehn dit nich, wa? Ick hab hier’n Schlauch! Tatsächlich gab es ja aufgrund der Trockenheit wieder den Aufruf, Bürger sollten Bäume wässern, und die Schlauch-Idee meines Nachbarn, für die man nicht mühsam Eimer nach unten schleppen muss, sondern gemütlich von oben Regen erzeugen kann, begeisterte mich so sehr, dass ich gleich beschlossen habe, mir ebenfalls einen solchen Schlauch zuzulegen, und so stehen wir nun in Zukunft vielleicht abends zu zweit, Balkon an Balkon, und verhelfen diesem schönen, knorrigen Riesenbaum, der noch ein Stück über das Hausdach hinaufragt (wie alt mag er sein? ich glaube, sehr alt), zu einem grünen, saftigen Sommer.

Nachbarn, mit und ohne Corona

Ich weiß nicht, ob es nur an Corona liegt und daran, dass neuerdings alle Leute zu Hause sind und sich dadurch möglicherweise besonders stark mit jeglichen Regungen ihrer Nachbarn auseinandersetzen, meine allein auf 95m2 wohnende Nachbarin von unten hat auch früher schon gern sofort und ohne Umstände wegen jedem Mucks geklingelt, zum Beispiel wenn man um fünf Minuten nach 10 noch einen letzten Nagel in die Wand geschlagen hat (Nachtruhe!), oder wenn man mal tagsüber länger gebohrt hat, um ein Regal anzubringen (davon sterben meine Katzen!); hat sie ein Paket für mich angenommen, so kommt sie schon immer gern in genau dem Moment hoch, in dem ich mal für 5 Minuten ein paar Klaviertasten drücke (nur dass du’s weißt, ich weiß, dass du da bist, und höre jeden Mucks! sagt sie nicht, denkt sie aber). Apropos Klavier, einmal fragte sie ernsthaft, wo das Klavier bei mir eigentlich stehe, bei ihr biege sich nämlich an einer Stelle die Decke. Ich weiß nicht, ob sie beruhigt war dadurch, dass ich ihr erklärt habe, dass a) ein Klavier kaum schwerer ist als 2 oder 3 Bücherregale, dass b) eine Decke so konstruiert ist, dass es rein technisch unmöglich ist, dass sie sich aufgrund eines Gegenstands, der auf dem Boden steht, biegt, und dass c) auch bei mir die Decke an manchen Stellen etwas schief und krumm ist, weil das in Altbauten eben so ist. Vor einer Weile hatte ich mal länger Besuch, der (von mir unerlaubter Weise) ein oder zweimal am Fenster geraucht hat, die Nachbarin wies mich viel später darauf hin, dass im Hof genau unter jenem Fenster “immer” Zigarettenstummel gelegen hätten (was nicht sein kann, der Besuch hat dort definitiv nur ein- oder zweimal geraucht). Heute jedenfalls goss ich um etwa 11 Uhr vormittags meine Pflanzen auf dem Balkon, 3 Minuten später klingelte es, ich solle bitte nicht in der prallen Sonne gießen, es würde nämlich “alles” in ihre Pflanzen “platschen”, und die würden dann verbrennen. Tatsächlich kann es sich nur um Tröpfchen gehandelt haben, da a) meine Balkonkästen keine Löcher haben und es sich somit nur um ein bisschen übergelaufenes Wasser gehandelt haben kann, und sich b) zwischen meinen Pflanzen und ihren Pflanzen ungefähr auf halbem Weg, am Fuß meines Balkons, in der Horizontale ein Sims befindet, das das meiste davon aufgefangen haben dürfte; und das mit dem Verbrennen, finde ich heraus dank Google, ist großteils ohnehin eher so etwas wie Unsinn. Die Nachbarin hat im selben Haus schon 3 verschiedene Wohnungen bewohnt, und von einer früheren Nachbarin B, die über der hier beschriebenen Nachbarin A gewohnt hat, weiß ich, dass sie kein Wort mehr mit ihr wechselte, nachdem es einen Rohrbruch gegeben hatte; Nachbarin B konnte nichts für den Rohrbruch, er fand rein zufällig auf der Höhe ihrer Wohnung statt, aber Nachbarin A aus der Wohnung unter ihr grüßte sie daraufhin nicht mehr, mich grüßt sie noch, aber mit einem Blick, als wollte sie mir sagen: Du zerstörst mein Leben! Ach, meine Liebe: Es ist nicht meine Schuld, dass Deine Decke schief und krumm ist, und Wasser bedeutet für Pflanzen nichts als Leben.

Achilleus’ Mutter

Man spricht von der Achillesferse einer Taktik, einer Strategie oder eines Systems: Die Achillesferse, die Stelle, an der die Mutter den Körper (Textkörper) hält und berührt, bezeichnet die undichte, verwundbare Stelle desselben; aber erst dadurch, dass die Mutter (Thetis) den Körper, den sie von sich gegeben hat, den Körper ihres Sohnes (Achilleus), in jenes fließende Zwischenreich taucht, das die Ober- von der Unterwelt trennt (den Fluss Styx), wird der ganze Rest seines Körpers unverwundbar, ein unberührbares Ganzes. Die „Dichtigkeit“, Unangreifbarkeit seines Körperganzen kommt überhaupt nur dadurch zustande, dass eine Stelle undicht und angreifbar bleibt. Die Hand der Mutter steht für dieses „Leck“, diesen „Mangel“, aber die Hand der Mutter (und nicht etwa sein eigenes „Können“) ist es vor allem, die dafür sorgt, dass er als Sterblicher überhaupt beinahe unverwundbar durch die Welt gehen kann.

kosten

Wehe dem Geschlecht, das nach der Frucht greift, wehe dem Schreibwerkzeug, das (sich) versucht: So wird der Apfel fehlbar, so zeugen Kiefer, Zähne und Zunge vom lachenden Spiel mit der Krone der Schöpfung. Auch du, mein Freund, fällst ja nicht weit vom Stamm dieses Baumes. Dass du dir meinen Mund vorstellst als einen, der sich nicht von selbst schließen kann oder soll, als einen, der nirgends hineinbeißen soll, dass du dir meine Lippen vorstellst wie eine allzeit weit geöffnete Pforte zur Unterwelt: Irgendwo muss ja hin, was du von dir gibst, sagst du, aber nein, sage ich, nimm einen Bissen von diesem Apfel, und auch du wirst sehen: Das Köstliche ist etwas, wofür niemand bezahlt.