Träume vom Reisen

Vor längeren Reisen kommt immer der Zeitpunkt, an dem ich anfange, von Flug und Ankunft zu träumen, immer sind es schöne, befreiende Träume, nicht immer sonderlich realistisch, vor einigen Jahren zum Beispiel, als ich für mehrere Monate nach New York ging, träumte ich vom Flug mit allen möglichen realistischen Details (Wühlen im Rucksack, Feststellen “Oh ich habe meine Kopfhörer vergessen”) usw., aber das Beste am ganzen Flug war dann ein eher weniger realistisches Detail, ich stellte nämlich irgendwann unterwegs fest, dass ich mal dringend groß auf Toilette müsste und bat den Piloten daher, zu landen, was er auch tat. Ich stieg also aus dem Flugzeug aus, verzog mich ins Gebüsch, schiss (Verzeihung), was das Zeug hielt, stieg wieder ein, und der Flug ging weiter. Als ich aufwachte, musste ich sehr laut lachen. Im gleichen Zeitraum träumte ich, ich würde von Berlin morgens nach Australien loslaufen, nachmittags kam ich irgendwo an, wo es sehr schön war, und fragte jemanden, ob dies Australien sei; jemand antwortete, “no, this is Afghanistan”, ich nahm einen Aufzug, der mich ein paar Stockwerke tiefer an einen Fluss brachte, wo Frauen Kleider wuschen, ich konnte mich mit niemandem unterhalten, war aber über alle Maßen glücklich. Als ich tatsächlich im Flugzeug saß, saß neben mir Justin, wir betranken uns den ganzen Flug lang mit Whiskey on the rocks, er schrieb mir ein Gedicht, in New York wohnten wir dann praktisch zusammen, ich schrieb damals an einem Text über einen, der ständig geht, einen, der ständig kommt, ein Ich irgendwo dazwischen, und eine Freundin sagte zu mir, “but you do realize that now… you also have a just-in”. Dann der immer wiederkehrende Traum von Island: Ich bin irgendwo bei Neuseeland oder Grönland oder Kanada, nicht sicher, besteige jedenfalls einen Berg, ganz oben ist ein Café, und in diesem Café im 1. Stock ist Island: Menschen sitzen gemütlich in Sesseln, trinken Tee, sind über alle Maßen freundlich, und ich bin gekommen, um zu bleiben, nirgends sonst kann die Aussicht so schön sein. Und heute träumte ich nun, ich säße im Flugzeug nach Tokio, an den Flug selbst habe ich nicht viele Erinnerungen, aber die Ankunft war denkwürdig: Ich landete in einer riesigen Halle, die einer Stadt nachempfunden war, stellte mein Gepäck irgendwo ab und suchte nach dem Zug, der mich nach Kyoto bringen sollte. Schließlich landete ich bei einer Art Berggondel und fragte den Betreiber, ob diese Gondel nach Kyoto fahren würde, er verstand mich nicht, aber in der Gondel saß schon jemand, der mich verstand, ich setzte mich daneben, er sagte, ja, die Gondel fahre nach Kyoto, und in dem Moment fuhr sie auch schon los, womit ich anscheinend nicht gerechnet hatte. Dummerweise stand nämlich mein Gepäck, auch mein Rucksack mit Laptop, immer noch irgendwo in einer Ecke der Halle, mein Gondelmitreisender sagte, sei ja nicht so schlimm, ich könne ja einfach die nächste Gondel zurück nehmen und das Gepäck holen, aber dann kommen wir in Kyoto an, was übrigens wieder einmal auf einem Berg liegt, und werden empfangen und über winklige Treppen durchs Haus geführt, und ich komme irgendwie nicht mehr dazu, zu sagen, dass mein Gepäck noch in der Halle in Tokio steht, geschweige denn dazu, noch einmal zurückzufahren, denn in diesem Moment wache ich auf.

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